Was in Klarenthal seit Jahrzehnten gewachsen ist, bekommt jetzt ein gemeinsames Zuhause: Die katholische Gemeinde St. Klara und die evangelische Kirchengemeinde Klarenthal nutzen künftig gemeinsam das evangelische Gemeindezentrum. Sichtbar wurde es am Reformationstag: Vertreterinnen und Vertreter beider Gemeinden enthüllten feierlich das neue Schild mit der Aufschrift „Ökumenisches Gemeindezentrum“.
Pfarrer Alexander Liermann sagte während der kleinen Andacht: „Wir zeigen deutlich: Hier entsteht ein ökumenisches Gemeindezentrum. Es wird endlich wahr. Und dass wir das jetzt am Reformationstag tun, ist ein schönes Symbol, denn Kirche ist immer erneuerungsbedürftig.“ Künftig gelte, so Pfarrer Liermann: „Miteinander glauben und voneinander lernen.“ Und die katholische Gemeindereferentin Ute Trimpert ergänzte: „Es ist auch etwas Neues für diesen Stadtteil.“
Die gemeinsame Nutzung der Gebäude hatte bereist Vorbildcharakter: Die Delkenheimer sind dem Beispiel Klarenthal gefolgt - die evangelische Kirchengemeinde und die katholische Pfarrei St. Birgid nutzen seit dem Sommer gemeinsam den Delkenheimer Ländchesdom.
Hintergrund für Zusammenlegungen dieser Art sind die Reformprozesse, mit denen beide Kirchen auf Mitgliederrückgang und Verringerung personeller und finanzieller Ressourcen reagieren. Dabei stehen in beiden großen Kirchen die Gebäude auf dem Prüfstand. Während im Evangelischen Dekanat Wiesbaden die Bewertung der Gebäude gerade im Prozess ist, sind die Katholiken schon einen Schritt weiter: „St. Klara ist verkauft und damit ist klar: Wir ziehen um“, erklärt Wolfgang Rollig von St. Klara.
Am 22. November wird das katholische Gemeindezentrum St. Klara profanisiert. Am 1. Advent wird in einer Prozession von St. Klara zum Ökumenischen Gemeindezentrum (Beginn 10.30 Uhr) der Umzug stattfinden. Um 11 Uhr wird ein ökumenischer Gottesdienst zum Einzug gefeiert mit anschließendem Sektempfang.
Wolfgang Rollig und Pfarrer Liermann hoffen beide, dass mit einem ökumenischen Gemeindezentrum ein christliches Zentrum im Stadtteil erhalten bleibt. Man habe so etwa auch mehr Strahlkraft in die Kommune.
Ein großer Vorteil ist, dass sich die Katholiken und Protestanten in Klarenthal schon jahrzehntelang kennen: „Wir schauen auf 56 Jahre ökumenische Zusammenarbeit zurück“, sagt Detlef Grohmann aus dem Evangelischen Kirchenvorstand. Die beiden Gemeinden wurden Ende der 60er-Jahre, als der Stadtteil wuchs, gegründet. Die Freundschaft der beiden Gründungspfarrer – Pfarrer Welzel und Pfarrer Wenzel, die sich schon im Namen glichen, – wirkt bis heute nach: gemeinsame Feierabendmahle, ökumenische Gottesdienste, der ökumenische Kreuzweg in der Passionswoche, ökumenischer Buß- und Bettags-Gottesdienst und vieles mehr werden bis heute zusammen veranstaltet.
Pfarrer Alexander Liermann freut sich über die Menschen, die das Gemeindeleben jetzt bereichern werden. „Die Katholiken bringen viele ehrenamtlich Engagierte mit – das ist für uns ein großer Gewinn.“
Mittlerweile ist auch geklärt, wo die Statuen der heiligen Klara und der Mutter Gottes ihren Platz finden. Auch die Gottesdienstzeiten sind festgelegt - auch für die hohen Feiertagen wie Weihnachten und Ostern. Wo der Tabernakel seinen Platz finden wird, ist noch offen. Und auch beim Weihrauch wird es Veränderungen geben: Darauf wollen die katholischen Geschwister künftig weitgehend verzichten.