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„Aufrecht stehen kann man lernen“

© Andrea WagenknechtNikolaus Schneider (links) und Anselm Grün sprechen im "Forum Triangelis" in der Erbacher Johanneskirche über Vertrauen.

Wie findet man Selbstvertrauen? Pater Anselm Grün und der ehemalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider haben Antworten. Auf Einladung der Evangelischen Kirchengemeinde Triangelis sind die beiden in die Johanneskirche nach Erbach gekommen.


„Vertrauen – spüre deine Lebenskraft“, heißt der Titel des Buchs, in dem sich Pater Anselm Grün und Nikolaus Schneider dem Thema Vertrauen aus ökumenischer Sicht annehmen. Sie haben darin drei unterschiedliche und zugleich einander befruchtende Dimensionen von Vertrauen betrachtet: das Vertrauen zu sich selbst, zu anderen Menschen und das Gottvertrauen – und dies mit Bibeltexten ergänzt, um auch biblische Vertrauensbotschaften für die Alltagswelt neu zum Klingen zu bringen.

Unlängst waren der Benediktinerpater und der ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in der Johanneskirche zu Gast. Neben einer Lesung aus dem Buch gingen sie im Gespräch miteinander und mit dem Publikum der Frage nach, wie Vertrauen entsteht, wie es in unserer Gesellschaft neu gelingen kann und was jeder einzelne dazu beitragen kann. Eine Veranstaltung im Rahmen der Triangelis-Bildungsreihe „Forum Triangelis“, zu der Pfarrerin Bianca Schamp zahlreiche Gäste in der voll besetzten Kirche willkommen hieß.

Das Urvertrauen wird immer wieder auf die Probe gestellt

„Kann ich vertrauen? Mir? Anderen? Das sind Grundfragen, die Menschen mit sich bringen, es ist aber auch ein Grundthema der gesamten Bibel“, stieg Pater Anselm Grün in das Thema ein und markierte Vertrauen als ein wichtiges Element menschlichen Zusammenlebens. Worauf Nikolaus Schneider Vertrauen als die Basis des Lebens bezeichnete und unterstrich: „Ohne Vertrauen könnten wir nicht leben.“

„Was muss man also tun, damit Vertrauen bewahrt bleibt? Wie geht man damit um, wenn Vertrauen missbraucht wird, wenn wir in Krisen Glauben hinterfragen und unser Selbstvertrauen leidet?“, stellten die beiden an Erfahrungsschatz reichen Seelsorger in den Raum. Wobei sie anmerkten, dass man als Kind mit einem Urvertrauen geboren werde, das im Laufe des Lebens immer wieder auf die Probe gestellt werde. Pater Anselm Grün: „Es gibt im Leben Situationen, wo ich tieferes Vertrauen brauche, die Erfahrung von Kindheit reicht da oft nicht.“ Dem Mangel an Selbstvertrauen müsse man aber nicht ausgeliefert sein. „Aufrecht stehen kann man lernen“, erklärte er weiter und sagte, dass der erste Weg dazu darin bestehe, sich selbst zu spüren und aufzuhören, sich mit anderen zu vergleichen. „Wenn ich vergleiche, bin ich nie bei mir, sondern immer bei anderen.“ Nikolaus Schneider betonte, dass es hierbei wichtig sei, das richtige Maß zu finden. „Der Mensch, der nur auf sich achtet, der sein Gegenüber nicht sieht, auch der verfehlt sich.“

Auch guten Menschen kann Böses widerfahren

In puncto Gottvertrauen sprachen beide davon, dass man sich bewusst sein solle, dass man von Gott mit seinen Stärken und Schwächen angenommen werde, dass Schwäche sein dürfe. Anselm Grün: „Sie ist von Gott akzeptiert, also akzeptiere ich sie selbst.“ Wobei alleine die Sehnsucht nach Glaube schon Glaube sei. Nach vorgelesenen Passagen aus dem Buch, darunter auch eine Textstelle zu Hiob, der ein Paradebeispiel dafür sei, dass auch guten Menschen Böses widerfahren könne, schloss Anselm Grün die Lesung mit dem Wort, das Jesus nach seiner Auferstehung zu den Jüngern gesprochen hat: „Ich bin ich selber.“ Ein Wort, das sagt, dass wir das wahre Selbstvertrauen fänden, wenn wir mit unserem innersten Zentrum in Berührung kämen, das uns aufrichte und uns eine tiefe innere Freiheit schenke. „Ich muss mich nicht beweisen, nicht unter Druck setzen“, so Pater Anselm Grün. „Ich bin einfach.“

Text: Claudia Kroll-Kubin
Quelle: Wiesbadener Kurier / Tagblatt

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